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21 Mai 2019

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19:00

Galerie Melike Bilir: Daniel Spoerri & Tex Rubinowitz

Eröffnung
21 Mai, 19:0021:00
Galerie Melike Bilir
Admiralitätstraße 71
Hinterhaus, 1.OG

 

Tarnsätze, Tex Rubinowitz

Tex Rubinowitz, preisgekrönter Autor unglaublicher Reiseberichte, begnadeter Chronist absurder Realität, Witzezeichner und Musiker wendet sich das erste Mal der Textilkunst zu. Als leidenschaftlicher Kommunikator versieht er sein Material mit Text, inspiriert von den Sinnsprüchen und vermeintlichen Wahrheiten, die einmal auf den Stoff gestickt waren, und zielt auf die Wirkung beim Betrachter ab.

Tex’ „Tarnsätze“ funktionieren wie ein geistiger Reflextest mit hintersinniger Falle. Sie spielen mit Redensarten, die so abgegriffen sind, dass man sie im Leben nicht benutzen würde. Unter dem Motto „je belangloser und konsensueller, desto besser“ erforschen sie, was im Gehirn des Betrachters entsteht, nur um es mit einer unverschämten Verdrehung in die Irre zu führen, eine Parallelwelt der Unlogik entstehen zu lassen. Im Stile eines Mimikry tarnen sich die Sätze und schleichen sich ins Unterbewusstsein. Durch geschickte Tarnung wird das Unlogische zu einer unhaltbaren Wahrheit.

Das Spannende und Erfrischende: Die Unsicherheit des Gehirns, wenn es versucht, die trivialen Sätze zu komplettieren, hat Tex direkt in seine Arbeitstechnik mit der Maschine übersetzt. Man sieht den Objekten an, dass hier mit Beliebigkeit gearbeitet wird. Ganz bewusst überlässt er einen Teil des Ausgangs dem Zufall und gibt die Kontrolle trotzig an den Lauf der Dinge ab!

Fadenscheinige Orakel, Daniel Spoerri

Vor acht Jahren sammelte der in Wien lebende frühere Tänzer, Regisseur, Herausgeber von Zeitschriften und bildende Künstler Daniel Spoerri auf Kur in Oberösterreich bei verschiedenen Trödlern und Flohmärkten Tücher, die ursprünglich, mit volkstümlichen Weisheiten bestickt, Heim und Herd in Bauernhäusern verschönern sollten.

Die Gottergebenheit, der einfältige Kitsch, die beschönigenden Lügen und der Fleiß, der hinter den Textilarbeiten stand, riefen in ihm eine Mischung aus Rührung und Ekel hervor. Es entstand der Impuls, sie auseinanderzuschneiden und nach Wortarten zu sortieren. Ganze Stapel von Wörtern wie „Gott“, „Maria“ und „Jesu“ kamen dabei zusammen. Ausgebreitet auf einem großen Tisch wurden sie zu seinem meditativen Puzzlespielplatz. Dabei entstanden durch Kombination und Intuition Satzkompositionen: eine neue Realität und wahre Wortlawine.

Zusammen mit seiner Köchin Silke Eggl, die sich zufälligerweise auch als Schneidermeisterin und Stickerin herausstellte, wurden die Sätze auf den Tüchern neu vernäht und die genau 100 „fadenscheinigen Orakel“ entstanden, deren schicksalhafte Wirkung auf den Betrachter noch unerforscht ist. Eine Auswahl von ihnen ist jetzt in der Galerie Melike Bilir zu sehen!

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